JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG DER LANGEOOGER FEUERWEHR 2019

Die Sitzgelegenheiten waren bis auf den letzten Platz besetzt, als am Freitag letzter Woche Gemeindebrandmeister Olaf Sommer die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Langeoog eröffnete. 

Als Gäste konnte er den neuen Kreisbrandmeister Friedhelm Tannen begrüßen, aus der Gemeindeverwaltung Bürgermeister Uwe Garrels und seinen Stellvertreter im Amt Ralf Heimes, von der Langeooger Polizeidienststelle Hauptkommissarin Gabi Kratt und aus dem Gemeinderat die Ratsmitglieder Rainer Adelmund, Robin Kuper und Ron Piekarski. Ehrengast an diesem Abend war der ehemalige Kreisbrandmeister Frank Gerdes, der sein Amt zum 1. Januar aus persönlichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte.

Olaf Sommer dankte den Kameradinnen und  Kameraden, die im letzten Jahr zu 40 Einsätzen ausgerückt waren und zusammen mit Übungseinsätzen sowie diversen Lehrgängen 1881 Dienststunden geleistet haben, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 73 Stunden, ein Trend, der seit mehreren Jahren anhält. Lag die durchschnittliche Einsatzzeit der Aktiven im Jahre 2008 noch bei 34 Stunden, ist sie bis Ende 2018 auf rund 54 Stunden im Jahr angestiegen.

Auch 2018 blieb die Insel von größeren Einsätzen verschont und die Feuerwehr hatte keine Unfälle oder Verletzungen in den eigenen Reihen zu beklagen. Insgesamt rückte die Wehr zu 23 Brandeinsätzen aus, 19 davon stellten sich vor Ort als Fehlalarme heraus. Eine gemischte Bilanz: Erfreulich, da weder Menschen noch Sachwerte in Gefahr waren, ärgerlich für die Kameradinnen und Kameraden, die ihre Zeit dafür geopfert haben. Ärgerlich vor allem, wenn Brandmeldeanlagen mutwillig manipuliert werden – wie in einem Fall geschehen – oder der Alarm fahrlässig ausgelöst wurde durch Flexarbeiten unterm Rauchmelder oder durch beim Aufbacken verbrannte Brötchen. Olaf Sommer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die zunehmende Modellvielfalt der installierten Brandmeldeanlagen für die Einsatzkräfte vor Ort ein Problem werde und wünschte sich eine genormte Standardisierung.

Für Kopfschütteln sorgte ein Fehlalarm in der Jugendherberge. Bei Eintreffen der Feuerwehr saßen Eltern und Kinder seelenruhig beim Frühstück, während im Haus ein Rauchmelder Alarm gab. Für die Kinder war das Eintreffen der Feuerwehr ein spannendes Abenteuer, von den Erwachsenen jedoch schien keiner zu wissen, was bei einem Feueralarm zu tun ist.

Fast die Hälfte der Alarmierungen im letzten Jahr war eine Hilfeleistung. Die Einsatzpalette reichte dabei von der Tragehilfe bei einer übergewichtigen Person, der Suche einer vermissten Person, nicht öffnende Aufzugstüren bis zu dem Dauerbrenner Menschenrettung von der Sandbank und einem Ölalarm im Langeooger Hafen. Der Gemeinde empfahl Olaf Sommer, für die Schiffahrt der Insel eine leistungsstarke Ölfangvorrichtung anzuschaffen, da die bisherige inseleigene Ausrüstung nur kleinere Ölmengen abfangen könne und im Bedarfsfall Ausrüstung vom Festland beschafft werden müsse, was zu erheblichen Verzögerungen führe.

Eher unter Kuriositäten fällt dabei die Rettung eines kleinen Hundes, der ohne Begleitung am westlichen Ende der Sandbank von Spaziergängern gesichtet worden war. Das Anrücken der Retter versetzten den kleinen Vierbeiner dermaßen in Panik, dass er das Weite suchte, den Priel durchschwamm und in den Flinthörndünen verschwand. Ein zweiter Suchtrupp, der das Gelände durchkämmte, fand schließlich das verängstigte Tier – an seiner langen Flexileine verheddert. Herrchen und Frauchen waren derweilen bereits nach Bensersiel abgereist.

Tragisch endete einer der letzten Einsätze im vergangenen Jahr. Die Kameradinnen und Kameraden waren zu einer Menschenrettung aus dem Wasser gerufen worden. Ca. 200 Meter vom Strand entfernt war eine Person im Wasser treibend gesichtet worden. Da bis zum Eintreffen des Seaking-Rettungshubschraubers wertvolle Zeit verstreichen würde, entschloss sich die Einsatzleitung, eine Wasserrettung mit dem Luftkissenboot zu versuchen, obwohl dies nicht zum eigentlichen Einsatzbereich der Feuerwehr gehört. Nur unter Schwierigkeiten konnte die Brandung überwunden und die mit dem Gesicht nach unten treibende Person geborgen werden. Trotz noch im Boot eingeleiteter Wiederbelebungsmaßnahmen konnte der eintreffende Notarzt später nur noch den Tod des Patienten feststellen. Für alle Beteiligten eine starke Belastung.

„Wir hätten dich da schon gebraucht,“ wandte sich Olaf Sommer an Hermann Rottmann, der ab diesem Jahr als aktives Mitglied den Langeoogern als Feuerwehrseelsorger zur Verfügung stehen wird. Hermann Rottmann, pensionierter Pastor der jetzt auf der Insel lebt, hat selbst eine Feuerwehrausbildung und war 27 Jahre Feuerwehrseelsorger in Bielefeld.

Neben den Einsätzen wurden auch noch eine Reihe Veranstaltungen organisiert und von verschiedenen Mitgliedern Fortbildungslehrgänge absolviert. U.a. wurde eine Blutspendeaktion betreut, ein Tag der Offenen Tür veranstaltet, das Osterfeuer gehütet und der Maibaum aufgestellt. Auch am Volkstrauertag nahm die Feuerwehr mit einer Abordnung teil.

Besonderen Dank sprach Olaf Sommer den Ehepartnern und Familien für ihr Verständnis für die nicht immer zum Familienleben passenden Einsatzzeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit aus. Und er dankte den Betrieben, die ihre Mitarbeiter für Einsätze freistellen, sowie den Förderern und Sponsoren, die auch 2018 die Feuerwehr großzügig unterstützt haben. Insgesamt gab es Spenden in Höhe von rund 16.000 EUR. Die Gemeinde investierte in Helme, Schutzkleidung und weitere Schutzausrüstung. Er appellierte, auch die Beschaffung neuer Schutzkleidung für die Atemschutzgeräteträger nicht zu verzögern, da sich die Kameradinnen und Kameraden, die unter Atemschutz als Erste zum Brandherd vordringen, auch besonderen Gefahren aussetzen.

Christian Jung berichtete im Anschluss über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. Zehn Jungen und ein Mädchen sind zurzeit in der Jugendfeuerwehr aktiv, die 2018 neben vielen gemeinsamen Freizeitaktivitäten rund 650 Dienststunden absolviert haben. Unter anderem übernahmen sie Sicherungsdienste bei verschiedenen Veranstaltungen wie beim Osterfeuer, Maibaum aufstellen, beim Pfingstfest und Tag der offenen Tür. Neben dem Umgang mit den diversen Gerätschaften einer Feuerwehr wurde diese Jahr auch schon bei der Jugendwehr die Rettung einer Person aus dem Schlick geübt.

Kreisbrandmeister Friedhelm Tannen gab in seinem Jahresbericht einen konzentrierten Überblick auf die wichtigsten Entwicklungen im Landkreis Wittmund und anstehende Änderungen im laufenden Jahr. Das Jahr 2019 steht unter dem Motto „Zukunft gestalten – Deine Feuerwehr“. Er bedankte sich für die große Einsatzbereitschaft und betonte in diesem Zusammenhang, dass die ehrenamtliche Tätigkeit der Kameradinnen und Kameraden ein tragender Bestandteil eines funktionierenden Gemeinwesens ist, das Wertschätzung und Respekt verdient.

Erfreulich sei wieder die positive Entwicklung der Jugend- und Kinderfeuerwehren im Landkreis. Er dankte vor allem dem „Anzeiger für Harlingerland“ für seine diesbezügliche Spendenaktion, bei der 21.000 EUR gesammelt wurden.

Um Finanzielles ging es auch in seiner Aufstellung, was in naher Zukunft an altem Gerät ausgetauscht und neu angeschafft werden muss. Und auch hier gilt: Der Bedarf der Feuerwehren ist keine Wunschliste!

Bürgermeister Uwe Garrels bedankte sich im Namen von Rat, Verwaltung und allen Langeoogerinnen und Langeoogern für den unermüdlichen Einsatz für die Inselgemeinschaft. Er bezeichnete diese Jahreshauptversammlung als „historische Sitzung“, da es die letzte sei, die in diesem historischen Gebäude stattfinde. Der anstehende Umzug in das neue Feuerwehrhaus am Süderdünenring sei ein Quantensprung – von der Anfahrt über die Ausstattung bis zur Zukunftssicherheit. Leider habe der Landkreis eine finanzielle Förderung abgelehnt, gleichwohl Langeoog über die Kreisumlage die Feuerwehren am Festland unterstütze. Die Gemeinde müsse diesen finanziellen Brocken also alleine stemmen – ebenso wie die Insel-Feuerwehr ihre Einsätze alleine schultern müsse ohne Unterstützung aus Nachbargemeinden.

Danach mussten die Wahlen für einige Neubesetzungen durchgeführt werden. Zum Gruppenführer der Löschgruppe 1 wurde Sören Sommer gewählt, sein Stellvertreter wurde Eric Wigge; Gruppenführer der Löschgruppe 2 wurde Thomas Sieberns, seine Stellvertreterin Daniela Peters. Auf Wunsch der Jugendfeuerwehr wurde Eric Wigge in seinem Amt als Jugendwart bestätigt. Zum Gerätewart wählten die Anwesenden Dirk Rochow, zum Atemschutzgerätewart Imko Wollner, der ebenfalls im Amt bestätigt wurde. Schriftführerin wurde Melanie Wißbrock, Sicherheitsbeauftragter Christian Jung.

Der Feuerwehrmann-Anwärter Michael Biggeleben wurde zum Feuerwehrmann befördert. Die Oberfeuerwehrmänner Jens Dietrich und Thorsten Lammers erhielten die Beförderungen zum Hauptfeuerwehrmann; vom Löschmeister zum Oberlöschmeister befördert wurden Olaf Kratt, Thomas Sieberns und Sören Sommer. Brandmeister Frank Wißbrock erhielt die Ernennungsurkunde zum Oberbrandmeister.

Die meisten Dienststunden bei der Langeooger Wehr wurden von Thomas Sieberns (75 Std.), Stefan Miener (70 Std.) und Daniela Peters (66 Std.) geleistet.

Hauptfeuerwehrmann Jens Bludau erhielt für 25 aktive Dienstjahre das Feuerwehr Ehrenzeichen des Landes Niedersachsen, Hauptbrandmeister Olaf Sommer für 27 Jahre im Dienste der Verbandsarbeit die Ehrennadel in Gold des Kreisfeuerwehrverbandes Wittmund.

Nach dem offiziellen Teil dieser Jahreshauptversammlung folgte ein sehr persönlicher Abschied. Die Kameradinnen und Kameraden hatten den ausgeschiedenen Kreisbrandmeister Frank Gerdes eingeladen, der noch einmal gerne auf die Insel gekommen war. Die Langeooger bedankten sich bei ihm herzlich für die langjährige und freundschaftliche Zusammenarbeit und wünschten, ihn auch außerdienstlich noch öfter in ihren Reihen anzutreffen. Danach folgte der gemütliche Teil des Abends, den – Dank der Verpflegung durch den Ratsvorsitzenden Rainer Adelmund – niemand hungrig verlassen musste.

Quelle langeoog News

 

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