365 TAGE BEREITSCHAFTSDIENST IM JAHR – 24 STUNDEN AM TAG

Es war eine Premiere in der neuen Feuerwache, als am Freitag letzter Woche Gemeindebrandmeister Olaf Sommer die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Langeoog eröffnete. Als Gäste konnte er aus der Gemeindeverwaltung Bürgermeisterin Heike Horn und ihren Stellvertreter im Amt Ralf Heimes sowie den neuen Tourismusmanager Axel Schlemann, von der Langeooger Polizeidienststelle Hauptkommissarin Gabi Kratt und aus dem Gemeinderat die Ratsmitglieder Gerda Spies, Rainer Adelmund, Robin Kuper und Ron Piekarski begrüßen. Ebenfalls gekommen war Altbürgermeister Uwe Garrels, der erst im Oktober letzten Jahres aus dem Amt geschieden war. Kreisbrandmeister Friedhelm Tannen und der Stellvertretende Kreisbrandmeister Erwin Reinders waren verhindert, da zeitgleich am Festland mehrere Jahreshauptversammlungen von Feuerwehren stattfanden.

Olaf Sommer dankte den Kameradinnen und Kameraden, die im letzten Jahr zu 34 Einsätzen ausgerückt waren und zusammen mit Übungseinsätzen sowie diversen Lehrgängen im vergangenen Jahr 1649 Dienststunden geleistet haben, was einer durchschnittliche Einsatzzeit der Aktiven von 42,5 Stunden entspricht. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ein leichter Rückgang, da die Feuerwehr im abgelaufenen Jahr zu etwas weniger Einsätzen ausrücken musste und die Anzahl der Aktiven leicht angestiegen ist zur Zeit 39 Feuerwehrfrauen und -männer umfasst.

Auch 2019 blieb die Insel erfreulicherweise von größeren Bränden verschont und die Feuerwehr hatte keine Unfälle oder Verletzungen bei Einsätzen zu beklagen. Insgesamt rückte die Wehr zu 24 Brandeinsätzen aus, 19 davon stellten sich vor Ort als Fehlalarme heraus. Gerade diese Fehlalarme sind für die Kameradinnen und Kameraden eine enorme Belastung, vor allem wenn sie auf Fahrlässigkeit, nicht gewartete oder veraltete Brandmeldeanlagen zurückzuführen sind. „Schaut bitte nicht auf euren Pieper“, bat Olaf Sommer die Anwesenden, „Auch wenn der Alarm schon wieder im selben Hotel ist. Kommt einfach hierher. Wir wissen nicht, wann es Ernst ist!“ Auslöser für Fehlalarme waren auch eine vergessene Pizza im Backofen; Staub von Renovierungsarbeiten; ein übervoller, qualmender Aschenbecher in einem Hotel; angebrannte Brötchen und ein Küchenhandtuch auf einer eingeschalteten Herdplatte.

Unter Kurioses fällt dagegen schon die Meldung einer aufgeregten Anruferin, die Feuerschein im neuen Feuerwehrhaus entdeckt hatte: Direkt hinter der Feuerwache saßen ein paar Jugendliche in einem der Langeooger Kleingärten gemütlich um ein Lagerfeuer.

Neben Brandeinsätzen wurde die Langeooger Wehr auch zu vielen Dienstleistungen angefordert. Mehrere Male musste sie zur Menschenrettung aus dem Wasser ausrücken, Tragehilfe bei übergewichtigen Personen leisten, vermisste Personen suchen, Tiere retten oder Menschen aus einem Fahrstuhl befreien. Weitere Termine 2019 waren das Osterfeuer, das Aufstellen des Maibaumes, der „Tag der offenen Tür“, eine erfolgreiche Blutspendeaktion sowie eine Kranzniederlegung am Volkstrauertag.

„Für die Kameradinnen und Kameraden bedeutet das 365 Tage Bereitschaftsdienst im Jahr – 24 Stunden am Tag“, resümierte Olaf Sommer. „Mehr geht nicht mehr.“ Fassungslos macht da ein Alarm, der am 17. Oktober 2019 morgens um 3.38 Uhr ausgelöst wurde. Der gemeldete Brand im Gebäude „Seekrug“/„Düne 13“ entpuppte sich als böswillige Alarmierung von einer entfernt liegenden Telefonzelle aus.

Mit einem besonderen Dank an die Angehörigen der Kameradinnen und Kameraden sowie die Helfer und Sponsoren schloss der Gemeindebrandmeister seinen Jahresbericht mit einem Appell an die Gemeinde, die Beschaffungsliste der Freiwilligen Feuerwehr nicht als Wunschzettel zu betrachten.

Im Anschluss berichtete Christian Jung über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. 16 Jungen und ein Mädchen sind zurzeit in der Jugendfeuerwehr aktiv, die 2019 erfreuliche sechs Neuzugänge zu verzeichnen hatte. Neben vielen gemeinsamen Freizeitaktivitäten absolvierten die Jugendlichen rund 645 Dienststunden. Neben tatkräftiger Hilfe beim Umzug ins neue Feuerwehrhaus übernahmen sie unter anderem Sicherungsdienste bei verschiedenen Veranstaltungen wie beim Osterfeuer, Maibaum aufstellen, beim Pfingstfest und Tag der offenen Tür. Neben dem Umgang mit den diversen Gerätschaften und Fahrzeugen der Feuerwehr war diese Jahr vor allem das Aufstellen des Lichtmastes und die Handhabung des Luftkissenbootes Teil der Ausbildung.

Bürgermeisterin Heike Horn bedankte sich im Namen von Rat, Verwaltung und allen Langeoogerinnen und Langeoogern für den unermüdlichen Einsatz. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es heißt, einen „Job“ zu haben, der Einsatz 24/7/365 bedeutet. Nachts gerufen zu werden, vollen Einsatz zu zeigen – da kann man hinterher kaum wieder schlafen. Sie leisten dies Jahr für Jahr – herzlichen Dank dafür!“ Und ihre Haltung zur „Wunschliste“ der Feuerwehr sei bekannt: „Ausrüstung ist kein Selbstzweck – daher unterstütze ich die bestmögliche Ausrüstung für die Kameraden.“

Auch Uwe Garrels bedankte sich als ehemaliger Bürgermeister noch einmal bei den Kameradinnen und Kameraden für ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Inselgemeinschaft. Sein Dank galt auch Ralf Heimes, der sich über Jahre unermüdlich für den Bau der neuen Feuerwache eingesetzt habe, die vorbildlich und ein Meilenstein sei.

Im Anschluss nahm Gemeindebrandmeister Olaf Sommer die Beförderungen vor. Die Feuerwehranwärter Adrian Dirks, Fabian Jung, Felix Peters und Marc Prochatschek wurden zum Feuerwehrmann ernannt. Vom Hauptfeuerwehrmann zum Ersten Hauptfeuerwehrman befördert wurden Christian Jung, Dirk Rochow und Imko Wollner. Erste Hauptfeuerwehrfrau Daniela Peters wurde zur Löschmeisterin ernannt, und Eric Wigge vom Löschmeister zum Oberlöschmeister. Brandmeister Frank Wißbrock wurde zum Hauptbrandmeister befördert.

Geehrt wurden die Stellvertretenden Gemeindebrandmeister Heiner Culemann für sein 40-jähriges Dienstjubiläum und Frank Wißbrock für 30 Jahre Dienst in der Feuerwehr.

Die meisten Dienststunden wurden 2019 von Thomas Sieberns (49 Std.), Stefan Miener (49 Std.) und Till Peters (41 Std.) geleistet.

Zum Abschluss überreichte Olaf Sommer Dankespräsente an Ralf Heimes und den scheidenden Altbürgermeister Uwe Garrels für ihre Unterstützung. Für Ralf Heimes sei der Bau einer neuen Feuerwache eine Herzensangelegenheit gewesen, der er sich ungezählte Stunden gewidmet habe. Und der einfachen Frage von Uwe Garrels „Wo sitzt ihr nach einem Einsatz zusammen?“ sei eine „Trinkhalle“, ein gemütlicher Aufenthaltsraum, zu verdanken, dessen Innenausbau von Eric Wigge mitgestaltet wurde. Nun müssen die Kameradinnen und Kameraden nach einem Einsatz nicht in den Alarmfluren zusammensitzen, wie es auf vielen Wachen – aus Raumnot – üblich ist.

Ein Dank ging auch an die Gründerinnen und Gründer eines Fördervereins, der bereits finanzielle Unterstützung für die Langeooger Wehr gesammelt habe und finanziell von Gerda Spies unterstützt wurde.

Bevor es nun zum gemütlichen Teil überging, überreichte Rainer Adelmund Olaf Sommer eine große blaue Tasche. Da der Langeooger Maibaum, der traditionsgemäß von der Langeooger Feuerwehr aufgestellt wird, bisher noch nicht so recht im richtigen Licht erstrahlt sei, habe er für den Baum eine 20 Meter lange Lichterkette mitgebracht, mit er man den Baum künftig illuminieren könne. Und damit die zusätzlichen Stromkosten nicht zur Zwangsverwaltung führen, überreichte er dazu noch einen Umschlag. Mit seinem Inhalt könne man die Stromkosten begleichen. Danach hieß es dann endlich: „Das Buffet ist eröffnet!“

Wird geladen
×